Anreisetag: Auf nach Tübingen !


Aus allen Regionen Deutschlands, der Schweiz und Finnland trafen heute die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 10. Euro-Tandem-Tour hoch motiviert und voller Vorfreude in Tübingen ein.

Die malerische Kulisse dieses alten schwäbischen Städtchens umrahmte die Wiedersehensfreude der Altbekannten und das Händeschütteln und Schulterklopfen aller, die sich in den Tross der Jubiläumstour durch das Herzen Europas einreihten.

Doch zunächst hatte Doina Ruppert ein Verwöhnprogramm im Angebot.
Während sich die einen bei einer Stadtführung durch die romantischen Gässchen Tübingens auf die Tour einstimmten, saßen die anderen entspannt auf Stocherkähnen und genossen das Dolce Vita auf dem Neckar.

Als die Sonne langsam hinter den großen Platanen versank, lud einer der Sponsoren, der Geschäftsführer der retina implant Herr Reinhard Rubow, auf den Terrassen eines berühmten Restaurants zum Abendessen ein. (Vielen herzlichen Dank dafür !)

Aber dann war auch schon des Guten genug, das erste Arbeitstreffen stand an und alle wurden von dem Initiator der Tour Horst Schwerger begrüßt und vom Tourleiter Karl-Heinz Picard instruiert.


Manche schritten danach zügig zu ihren Stockbetten, wohingegen Teilnehmer wie Schmuggler und Uli sich ein letztes Bierchen in der lauen Sommernacht genehmigten.

 

 

Etappe 1: Tübingen - Freudenstadt - Offenburg

 

Tour online !

 

Der SWR4 war live dabei, als die Euro-Tandem-Tour 2016 am frühen Morgen mit warmen Worten der 1. Bürgermeisterin Frau Dr. Christine Arbogast auf ihren Weg geschickt wurde. 
Sie betonte, wie wichtig der Stadt Tübingen Inklusion und Integration von Menschen mit Behinderungen seien und unterstrich damit die Mission dieses ehrenamtlichen Engagement.

 

Auch Prof. Dr. Zrenner vom Augenklinikum der Universität Tübingen hatte sich eingefunden und ermutigte alle RP-Betroffenen, sich weiterhin gemeinsam mit der Wissenschaft für die Entwicklung neuer Therapieansätze zu erarbeiten.

 

Die Arbeit in der Forschung gepaart mit der verständnissvollen Unterstützung von Firmen wie retina implant oder auch der Paul Horn GmbH aus Tübingen schaffen Voraussetzungen Menschen mit Netzhautdegenerationen im Kampf gegen Blindheit zu helfen.

Frau Maren Schwerger dankte der Stadt, der Uniklinik und den Sponsoren und überreichte der Pro-Retina-Beratung am Uniklinikum einen Scheck in Höhe von 1.000 € um diesen ehrenamtlichen Einsatz zu würdigen.

Und dann ging es quer durch den Schwarzwald.

Freudenstadt empfing alle Radelnden mit frischer Bergluft und Tannenduft!

Punkt 14°° Uhr begrüßte die Bürgermeister Frau Dr. Hentschel eine ganz andächtig lauschende Tandemgruppe im imposanten Ratssaal und sprach allen ihre Bewunderung und Unterstützung aus.

Danach ging es nur noch HOCH: der Kniebis forderte zum ersten wahren Duell heraus!

Höhenmeter des heutigen Tages: 
Tübingen nach Freudenstadt: 325 - 730
Tübingen nach Offenburg: 750 - 1000 - 50

 

In der lieblichen Ortenau angekommen, entkrampfte sich die Beinmuskulatur langsam. Der erste Tag war gesund und heil bewältigt.

Der Besenwagen unter der professionellen Betreuung von Jürgen und Herbert hatte den einen oder die andere eingesammelt, Hella hatte die vergessene Schokolade nach Freudenstadt nachgeliefert und ein Platten war geflickt worden.

Danke an alle helfenden Hände !

 

Etappe 2: Offenburg - Mont St. Odile - Colmar

Frau Lydia Gören von der Stadt Offenburg verabschiedete die Euro-Tandem-Tour 2016 mit frisch gebackenen Brezeln und mit einer Power-Point-Präsentation über Offenburg, "da Bilder mehr sagen, als Worte".

Unter der fürsorglichen Obhut der Motorräder der Polizei, die mit sichtlicher Freude den Konvoi nach Frankreich begleiteten, radelten alle mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24 km/h durch das Rheintal.

Der Infobus notierte genüsslich das parziell noch geplaudert wurde, weshalb davon auszugehen ist, dass man noch nicht am Limit fuhr.

Unterwegs wurden Gäste aus dem Elsaß in den Tross aufgenommen und die Mission der Tour eingeführt.

Und dann war die Zeit des Plauderns vorbei !

Steil bergauf zog sich der Anstieg zum Mont St. Odile. Mit Bravour stiegen alle in die Pedalen und das Lächeln eines Siegers fand sich bei vielen, als sie stolz den Klosterhof der historischen Anlage hoch über dem Elsaß betraten.

Nobel speiste man im Saal Léon mit einem atemberaubenden Panorama auf die Rheinebene.

Das berühmte Wasser der heiligen Odilie, das Blinde sehend machen soll, brauchten wir alle nicht, denn wer unsere Gruppe kennengelernt hat, der weiß, dass vielleicht nicht jeder sehen kann, aber wir alle wunderbar gemeinsam wahrnehmen.

Noch auf dem Berg war man sich dessen gewiss, dass der Weg nach Colmar nun kurz und schmerzlos sein wird. Geplante Ankunftszeit: 17°° Uhr.

Fröhlich jauchzend warfen sich die Velos ins Tal. Der hervorragende private Begleitservice hatte sich derweil Mirijam aus dem Infobus geschnappt, die nun als Sozius die rasanten Radler fotografierte und filmte. Unten angekommen waren alle überrascht bis schockiert, als es wieder die Berge hochging, denn die geplante Route über Weinstraße war zu stark frequentiert.

Deshalb fuhr man bergauf, bergab - und am Ende waren alle 140 km unterwegs und hatten an diesem Tag 1.218 Höhenmeter überwunden. Müde, verschwitzt und wenig gut duftend erreichte man das Hotel, wo die umtriebige Annette alle wie immer versorgte und gleich weiter ins Restaurant trieb, wo man dann endlich, dank der leckeren elsässischen Küche, durchatmen konnte.


Etappe 3: Colmar - Basel

In Colmar erwachten viele schon sehr früh, denn die Müllabfuhr und der ein oder andere Lieferdienst rumpelten ab 5°° Uhr deutlich hörbar.

Gestiefelt und gespornt ging es unter großen Publikumsinteresse zum Colmarer Rathaus, wo eine sehr gut informierte Vertretung des Bürgermeisters den Willen der Stadt, Menschen mit Behinderungen in die soziale Gemeinschaft mit einzubeziehen, unterstrich und sich noch viel mehr Projekte wie die Euro-Tandem-Tour 2016 wünschte. 

Denn nur so werde eine gelungene Kooperation für die Öffentlichkeit sichtbar.

Mit Gugelhupf und Orangensaft im Bauch verließen wir das Städtchen im Elsaß und machten uns auf eine "Erholungstour".

Maisfelder wohin das Auge blickte.

Um die Mittagszeit überraschten uns Mona, Bärbel und Vladimir mit einem perfekten Picknick im Grünen. Dass das Geburtstagskind Adelheid Champagner für alle spendierte, setzte allen die Krone auf.

Ob´s am Cremant lag: Mit 22 km/h zog die eingeschworene Radlergruppe gen Basel weiter, wo uns endlich einmal am frühen Nachmittag eine erfrischende Dusche und ein entspannendes Ambiente erwartete.

Überraschend wurden wir vor unserem Quartier von unseren Schweizer Sponsoren willkommen geheißen. Aus dem Vorstand von Retina Suisse fanden Frau Uta Buhl, Frau Rita Filippini und Herr Stephan Hüsler, sowie Frau Irene Stephan von Bayer Schweiz den Weg zu uns.

Wir bedanken uns bei unseren Schweizer Partnern für ihre ideelle und großzügige finanzielle Unterstützung.


Etappe 4: Basel - Waldshut-Tiengen - Schaffhausen

Pünktlich um 8°° Uhr standen alle vereint vor dem Gesundheitsdepartement des Kantons Stadt Basel, dessen Leiter Herr Engelberger in seinem Grußwort die länderübergreifende Vision der Tour hervorhob und dafür die Stadt im Drei-Länder-Eck als idealen Tourstopp bezeichnete.

Wenn Menschen mit Behinderungen über die Grenzen hinweg Zugang zu Kultur, Sport und Gesundheitswesen einfordern, genau dann leben sie, so der Vorstand der Retina Suisse Herr Stefan Hüsler, den europäischen Gedanken.

Fröhlich, frei und fest tretend ging es in die 4. Etappe über eine Länge von 105km mit insgesamt 730 Höhenmetern.

Schön, dass auch Frau Irene Stephan von Bayer Schweiz, die eine hervorragende Pressearbeit vor Ort geleistet hatte, dem Tross nachwinkte.

 

Am Rhein entlang schlängelten sich die Radler von der Schweiz nach Deutschland und wieder zurück in die Schweiz. Eine wunderschöne ländliche Gegend mit lieblichen Hügeln flog an uns vorbei.

Zünftig war es, als beim ersten Halt das Feuerwehrhaus von Albbruck extra seine Tore für uns aufschloss und unserem eifrigen Versorgungsteam Mona und Bärbel erlaubte, alle mit Schokolade und Bananen zu verköstigen. Auch Stefan durfte heimlich ein zweites Stück Schokolade nehmen.

 

Ein Pfiff, viele Schreie und aufgeht´s !

Rauf und runter, rüber und hinab: Kühe blickten irritiert und sprachlos den Gelbhemden nach.

Tiengen war gegen 12:30 Uhr erreicht und Berge von Spaghetti wurden von gutgelaunten Italienern aufgetischt.

Während die Heldinnen und Helden der Straße kräftig zulangten und Gerda eifrig Infomaterial an Passanten verteilte, saß der Leiter der Kommunikation, unser Roland, einsam auf einem Marktstand und bewachte das Wertvollste: unsere Tandems!

Mit schweren Bäuchen setzte sich die Truppe in Marsch. Fast war der Ort der Nachmittagspause erreicht, endlich bergab, ein schmuckes Rathaus, doch dann plötzlich bog Karl-Heinz ab und erneut stiegen alle einen langgezogenen Berg hinauf. 

Once again and then turn round: the "Rathaus". Doppelt hält besser, muss er sich gedacht haben, aber Meral und Joshua hatten sich diesmal nicht aushebeln lassen. Gut so!!!

 

Ein letzter Schluck und dann folgte ein Höhepunkt der Tour: der Rheinfall in Schaffhausen.

Begeistert blickten und hörten alle auf das Naturspektakel und ließen sich diesen Moment für die Ewigkeit auf Bild einfangen.

Übrigens: Reinlich sind wir. Wer nachts um die Herbergen geistert, kann an den Fenstern viele frisch gewaschene Trikots erspähen.

Nur: wär geistert denn da nachts um die Herbergen?

 

Etappe 5: Schaffhausen - Bregenz

Auf dem Herrenacker, dort wo im Mittelalter noch die Mönche ihre Felder bestellten, sprach Herr Neukomm, der Stadtpräsident Schaffhausens, unseren teilnehmenden seine Bewunderung aus und bestärkte die allgemeine Hoffnung, dass Forschung und Industrie bald Heilungswege für Netzhautdegenerationen öffnen werden.

Wie sehr die Stadt Sehbehinderte ernst nimmt, zeigte sich in der sogenannten "Blindenbank", wo Sehende die Punktschrift fühlen können und erahnen wie Blinde kommunizieren.

Von Schaffhausen aus führte unser Weg am Rhein entlang, wo die ein oder andere morgendliche Joggerin überrascht den Davoneilenden nachblickte.

 

Wir wechselten nach Deutschland und bei Stein am Rhein wieder in die Schweiz. Fachwerkhäuser, Streuobstwiesen und verschilfte Uferwege säumten die Route und motivierten uns auf 25 km/h.

 

Rast war in Landschlacht im internationalen Blindenzentrum, wo über einem Feuer bereits ein wunderbarer Gemüseeintopf vor sich hinbrodelte und alle soviel nehmen durften wie ihr Energiehaushalt bedurfte.

Roland Gruber, der stellvertretende Leiter des Zentrums, nahm sich die Zeit bei uns zu sitzen, sich mit uns auszutauschen und uns über die Möglichkeiten des Zentrums zu informieren.
Ein Sehbehinderter mit einer wunderbaren Ausstrahlung, dessen positive Energie uns auf die Nachmittagsetappe nach Bregenz begleitete.

 

Bald darauf durchquerten wir Büchen, wo man sehr gut über unsere Tour informiert war. Über Gartenzäune hinweg erreichten uns aufmunternde Worte und als die Gruppe kurz anhielt brachte eine freundliche Büchnerin einige Flaschen eiskaltes Mineralwasser. DANKE BÜCHEN!

 

Dann war das Ziel erreicht: Die JuHe in Bregenz.

Auch das vierte Land auf unserer Tour begrüßte uns mit Sonne.

 

Festgehalten werden muss:
- Die Hälfte der Tour ist geschafft
- 5 Tage verwöhnte uns Petrus mit herrlichen spätsommerlichen Temperaturen
- Nur 3 kleine Stürze ohne größere Blessuren

Ab in die zweite Halbzeit!

 

Etappe 6: Bregenz - Sonthofen

Schweren Herzens mussten wir uns gegen 8°° Uhr aus der JuFa Bregenz verabschieden, eine äußerst empfehlenswerte Unterkunft mit schlafbereitenden Matratzen und einem Frühstücksbüffet, das keine Wünsche offen ließ.

Einige Räder waren am Abend zuvor nochmals inspiziert worden und die Euro-Tandem-Tour 2016 dankt dem Radsport Driessner GmbH (www.radsportdriessner.at) in Bregenz für seinen beispielhaften Einsatz am Freitag abend.

 

Dadadadammmmm:
8:12 Uhr der Anstieg begann...
69km und 1.110 Höhenmeter

 

Leicht zog sich das Feld auseinander, aber die Gruppe hinter "Klar"-Heinz nahm alle in den Windschatten und wie am Schnürchen wurde jede und jeder nach Oberstaufen gezogen. Oben angekommen, war so manche von sich selbst überrascht. Solidarität stärkt und motiviert zu Großem. Unter Applaus fuhr die Euro-Tandem-Tour im Ort ein, wo es statt Schrottkur leckeren Blechkuchen für alle gab.

Mona und Bärbel hatten sogar Biertische und Bierbänke organisiert und die Oma aus der Bäckerei kochte für alle Kaffee.

Danach verlief die Route durch das hügelige Allgäu und der Tross wurde immer schneller. Bergab wurden Spitzengeschwindigkeiten von 64 km/h erreicht.

Mit diesem Schwung nahm man die nächsten Berge, wohlwissend dass Sonthofen nicht mehr weit war.

Mit Getöse erreichte man den Rathausplatz in Sonthofen, wo die 3. Bürgermeisterin Frau Ingrid Fischer mit viel Lob, Getränken und Gebäck bereits auf uns wartete.

Und endlich lag er deutlich sichtbar am Hügel: Der Allgäuer Stern

14% Steigung verbrauchten die letzten Körner, aber Spa und Schwimmbad schufen Wunder, sodass am Abend überall wieder geplaudert und gescherzt wurde und so mancher sogar das Tanzbein schwang.

 

Etappe 7: Sonthofen - Schongau

Fast fühlte es sich wie ein Ruhetag an: Frühstück ab acht. 
Auch an diesem Büffet bewiesen sich unsere Piloten als perfekte Dienstleister: Teller für zwei werden mit Käse, Eiern, Gurke, frischen Tomaten beladen, Säfte und Kaffee jongliert und nebenbei reicht die Kraft für viele Hände auf den Schultern.

Um 10°° Uhr nahmen die netten Polizeibeamten aus Bayern uns wieder in den Empfang und es ging zurück auf den Rathausplatz. 

Dort nahm sich Frau Fischer die Zeit uns würdig nach Schongau zu verabschieden. Aus ihren warmen Worten fühlten alle das Verständnis für die Belange für Sehbehinderten, dass wir uns so häufig wünschen.

Der Etat der Gemeinde hatte es sogar zugelassen, dass jeder Teilnehmende ein Sonthofener Täschen mit allerlei Leckereien überreicht bekam.

 

Mit dieser Energie ließ es sich leicht und beschwingt in die Idylle aus Wiesen und Feldern radeln.

Auf einem breiten Radweg gab es dann den Startschuss zum ersten und letzten Radrennen auf der Euro-Tandem-Tour 2016. JETZT zogen die Jungs wirklich an. Energie wurde freigesetzt. Lungen pumpten. Vorne lagen Chris und Jo, als von hinten zum Spurt angesetzt wurde: JA!!! Ulli und Schmuggler durften sich das "Gelbe Trikot" der Sieger anziehen. Die Bronzemedaille ging an Knut und Tom (Fotobeweis ist vorhanden).

 

Danach nahm Karl-Heinz seine Mannen wieder unter seine Fittiche und ließ die Räder locker und leicht nach Nesselwang gleiten.

 

Auch hier im schönen Allgäu hatte er seinen guten Draht zur Feuerwehr spielen lassen und diese hatte große Kisten mit Schnitzelwecken und jede Menge Getränke angeschleppt.

Dass wir unter helfenden Freunden waren, wurde uns allen klar, als Horst neben dem Waschbecken einem hinab gefallenen Papierhandtuch hinterher suchte, seinen Kopf hinab bückte und dann mit viel Schwung und Kraft aufsprang. 

Der Papierhandtuchhalter war unwesentlich beschädigt. Ein Rettungswagen brachte unseren Chef nach Pfronten, wo wir ihn eine Stunde später genäht und gut gelaunt abholen konnten.

Mirijam, die tolle Chauffeuse aus dem Infobus, nahm die Verfolgung auf und kurz darauf konnten wir ihn, den strahlenden Leichtverletzten, dem Tandem-Tross zurück geben.

Und dann waren es auch nur noch 16km bis nach Schongau.

Unser Sponsor Herr Lutzenberger, dessen Eltern die "Alte Post" in Schongau betreiben, nahm uns in Empfang und wir checkten wohlbehalten im Hotel ein.

 

Etappe 8: Schongau - Neuried - Gräfelfing

Nach einem lustigen Abend im Brauhaus zu Schongau kam so mancher etwas wortkarg zum Frühstück um 6:30 Uhr.

Die "Alte Post" hatte alle ihre Zimmer der Euro-Tandem-Tour 2016 zur Verfügung gestellt und die Teilnehmer mit viel Herz bewirtet. Herr Lutzenberger, der Sohn des Hauses, selbst blind, sponsorte über seine Firma PROTAK unser Projekt und sein Sohnemann Max, gerade mal 6 Jahre alt, war eifrig dabei alle Sehbehinderten in die und aus den Zimmer/n zu bringen.

Der Weg zum Rathaus war praktisch und kurz. Lokalradio und Lokalzeitung warteten bereits gespannt und Maren textete was das Zeug herhielt. Der stellvertretende Bürgermeister Herr Tobias Kalbitzer hatte schon Wasser für die Radler bereit gestellt, obwohl dies nicht nötig gewesen wäre, denn Schongau verabschiedete uns im Nieselregen.

Unterwegs zeigte sich dann, was Herbst in Deutschland auch bedeuten kann: In Kübeln wurde Wasser auf unsere RadlerInnen geschüttet. Alle wollten nur noch bergauf fahren und die Pausen wurden immer kürzer.

Dieses Wetterspektakel stellte erneut unter Beweis, mit welch großartigen Menschen wir unterwegs sind. 
Als ein Tandem und ein Einzelrad zurück fielen, kamen aus dem Sprühregen prompt die Jungs aus Rosenheim und Weimar. Man bot seine Schubkraft an und dann stiegen das "TRI-DEM" und das "QUATRO-DEM" geeint den Berg hinauf. "Ein HOCH auf uns"!

Kurz vor Neuried hatte der Herrgott erbarmen und als alle im sonnendurchfluteten Restaurants des TSV Neuried saßen, wurden die Trikots langsam trocken und die Muskeln wieder elastisch.

Schön, dass sich der Neurieder Bürgermeister sportlich zeigte und sich bei der letzten Pause zum Tross gesellte. Somit war ein öffentliches Interesse gesichert - Danke Herr Zipfl ! (Und auch ein herzliches Dankeschön, dass Sie sich um unserem Tandem Holger/Gerd gekümmert und ihnen sogar eine Scheibenbremse gesponsort haben)

Ebenfalls eingefunden hatten sich Frau Sabine Zwiener und Frau Tamara Jonescheit und die Herren Dieter Brandl und Dieter Prokisch von der Arval GmbH, einem maßgeblichen Sponsor der Euro-Tandem-Tour 2016.
Ihnen konnte gezeigt werden, dass ihre Investition sinnvoll angelegt ist, denn die Anerkennung durch die Öffentlichkeit ließ sich nach 8 Tourtagen wunderschön belegen. Dass unser Sponsor uns gar für weitere Touren ihre finanzielle Hilfe zusagte, macht uns ein wenig stolz.

 

15°° Uhr: 
- Annette verteilt die Schlüssel
- Vladi wuchtet die Koffer raus
- Die Busse fahren zum Tanken
- Herbert und Jürgen fluchen am Hänger
- Roland und Mona suchen die Schokolade
- Karl-Heinz sammelt die Funkgeräte ein
- Ein Trupp wird zum nächsten Fahrradshop begleitet
- Tabletten werden gegen Verstopfung gereicht
- Maren spitzt ihre Stifte für das Tourtagebuch
- Mirijam sucht verzweifelt die Internetverbindung
- Angelika geht im Park spazieren
- Gerda sortiert die letzten Prospekte
- Britta wäscht und trocknet drinnen


UND der CHEF schläft tief und fest

 

 

Etappe 9: Gräfelfing - Dillingen

 

Vor uns lagen 128 km, ein Anstieg von ca. 540 Höhenmetern, gefolgt von einem Abstieg von ca. 640 Höhenmetern. 
Da dies unseren Roadstars aus Finnland, Jussi und Miikka nicht ausreichte, nutzen die Beiden jede Böschung, die mindestens 45 Grad Steigung bot, um an ihr Tageslimit zu gelangen.

Frau Uta Wüst, Bürgermeisterin von Gräfelfing, gab den Startpfiff, während Kreisrätin Frau Dr. Frauke Schwaiblmaier in der Kürze auf einige Stellen rund um das Rathaus hinwies, die für Sehbehinderte "nachgerüstet" werden müssten.

Anschließend ging es auf die Tagesstrecke, eskortiert von den Einsatzkräften aus München und Ingolstadt. Bei so manch einem kam es bei soviel Blaulicht zum Gefühl, am G20-Gipfel live dabei zu sein.

Mittagessen fand gegen 13°° Uhr in einem wunderschönen Ambiente statt. Wir waren zu Gast im Zisterzienser Kloster zu Oberschönenfeld. Unter Schatten spendenden Bäumen wurde stärkendes serviert. Die Ruhe und die Spiritualität des Klosterhofs gaben Kraft und Energie. Sandra fand sogar Zeit für eine entspannende Yoga-Pause.

Schmuggler indessen gelang es den Schwerger-Nachwuchs auf den Co-Piloten Sattel zu hiefen und somit eine neue Ära zu begründen.

Die Augsburger Polizei übernahm das Nachmittagsgeleit und brachte alle wohlbehalten nach Dillingen.

Der Infobus freute sich besonders, wenn weidende Kühe sich plötzlich in Galopp versetzten, um den forteilenden Radlern hinter zu laufen. Auch sie waren hochgradig daran interessiert wem und welcher Sache dieser strampelnde Einsatz galt.

Von 14 Grad hatte sich im Laufe des Tages die Lufttemperatur auf 26 Grad erhöht und für einen unbeschwerten Radlertag gesorgt.

Der vorletzte Tag war geschafft.

 

 

 

10. Etappe Dillingen – Oberkochen – Esslingen

 

Bereits am Vorabend hatte Karl-Heinz bei seinem wie immer topprofessionellem Briefing auf die Herausforderung hingewiesen, die die letzte Etappe der Euro-Tandem-Tour in sich barg. Aber was konnte unsere Recken noch erschrecken?! 
Wer den Mont St. Odile erklommen hatte, wer den Steigungen in Österreich die Stirn geboten hatte, der zuckte nur noch müde mit der Schulter, als es hieß: morgen erwarten uns 145 km, am vormittag geht es 250 m hoch und danach 180 m hinab, am Nachmittag müssen 740 Höhenmeter überwunden werden und danach geht es 660 m hinab ins Neckartal.

Nach dieser Ansage verteilte sich das bunte Trüppchen in der wunderschönen Dillinger Altstadt, wo die meisten dafür sorgten, dass ihr Zuckerhaushalt vor dem Albaufstieg durch die dortigen Eisdielen ins Gleichgewicht gebracht wurde. Mit viel Gelächter und dem einem oder anderen Schniefen und Husten ging es dann zur verdienten Bettruhe.

Wie immer startete der Tag mit einem Besuch im Rathaus.

Oberbürgermeister Frank Kunz nahm uns um 7.15 Uhr herzlich in Empfang, versorgte uns alle mit Schokolade und ließ uns noch schnell wissen, dass Dillingen die ideale Station unserer Tour sei. Dillingen als Stadt der Caritas verfügt über große Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderungen. Sie liegt außerdem am Donauradwanderweg, so dass man schon längst eine Infrastruktur für RadlerInnen aufgebaut habe und aller guten Dinge sind drei: in Dillingen ging Sebastian Kneipp zur Schule. 
Seine berühmten Anwendungen zur Stärkung des Immunsystems werden heute noch in Dillingen praktiziert und den RadlerInnenwaden kann es nur guttun, wenn man sie durch kaltes Wasser stapfen lässt. 
Bevor sich jemand für eine Verlängerung des Aufenthalts in Dillingen entscheiden konnte, blies Roland unerbärmlich in seine Trillerpfeife (die er am Ende der Tour als Erinnerung dem Roten Baron schenken wird) und das letzte heiße Pflaster wartete auf uns.

Alle stiegen in die Pedalen, als müsste der Jubiläumstour gezeigt werden, dass sie würdige TeilnehmerInnen hat. Das Tempo wurde erhöht. 26 km/h.

Plötzlich war der verzweifelte Aufschrei von Roland zu hören: Ihr seid viel zu schnell, Ihr werdet viel zu früh da sein. Speed zurück, bei Zeiss in Oberkochen wurde auf Hochtouren vorbereitet und dann fuhr der Tross der Sehenden und Sehbehinderten/Blinden auf dem Werksgelände des großen deutschen Optikunternehmens Carl Zeiss unter viel hipp,hipp, hurra ein.

Seit vielen Jahren unterstützt die Fa. Carl Zeiss die Euro-Tandem-Touren und ihr Motto "Ideen, aus denen Innovationen werden" können auch wir uns auf die Fahnen schreiben, denn aus der Idee, für die Forschung und Aufklärung in Bezug auf Netzhautdegenerationen zu radeln, wurde eine nun schon zwanzig Jahre währende Tradition. 
Die Fa. Zeiss trägt mit ihrer ideellen und finanziellen Unterstützung maßgeblich zu diesem Erfolg bei. Dafür danken wir im Namen aller Sehbehinderten und Blinden!

Im Besucherzentrum der Fa. Zeiss wurden wir dann herzlich von Herrn Joachim Kuss, Frau Hartmann und Herrn Schnobel begrüßt. Herr Kuss führte in seinem Begrüßung aus, wie wichtig dem Unternehmen der Kontakt zu Menschen sei, die in irgendeiner Form von der Forschung und den Produkten von Zeiss profitieren. Nur der enge Kontakt liefere Ideen für eine künftige Ausrichtung und künftige Innovationen.

Bei einem fürstlichen Mittagsmahl, bei dem besonders die Vegetarier auf ihre Kosten kamen und diesmal nicht in der Nudelecke verschwanden, bedauerte so mancher, nicht in der Optikbranche ausgebildet worden zu sein.

Auch Herr Traub, Bürgermeister von Oberkochen, ließ es sich nicht nehmen, uns zu begrüßen und für den letzten Teil der Etappe viel Glück zu wünschen. 
Dass er ein Mann er Tat ist, bewies er, als er beim Mittagessen dem armen Horst im Kampf mit dem Filetbraten kurzerhand zur Seite sprang und die Bratenscheibe in gabel- und mundgerechte Stücke zerlegte.

Weiter so, solche Menschen braucht die Politik!

Von Oberkochen aus wurde es noch einmal steil, aber als Zuschauerin als dem Infobus gewann man den Eindruck: egal, was kommt, nichts kann diese tolle Gruppe mehr aufhalten. Auch in den Begleitfahrzeugen herrschte allgemeine Munterkeit und viel Spaß am Dasein:

- Mona hatte Spaß, weil sie die Bananen endlichlos war.

- Mirijam hatte Spaß, weil der Info-Bus zum ABBA-Sound rockte.

- Roland hatte Spaß, weil Gerhard nicht mehr nach seiner Tasche suchte.

- Herbert und Jürgen hatten Spaß, weil keine Kette mehr heraussprang

Und

- Vladi hatte Spaß, weil er nach 1060 km endlich das Radio bei sich im Auto gefunden hatte und nun lustig trällernd in Esslingen einfahren konnte.

 

Als der Tross kurz vor 17 Uhr durch Oberesslingen radelte, waren unsere Gedanken alle bei Jutta. 
Es war und ist schade, dass sie das Lachen und die Freude kurz darauf vor dem Alten Rathaus in Esslingen nicht miterleben konnte. Aber sei Dir gewiss, liebe Jutta, du warst da, du warst bei uns und wir sind Dir sooooooo dankbar, dass Du eine so tolle Tour vorbereitet und von Esslingen aus begleitet hast.

Vor dem Rathaus wartete schon der 1. Bürgermeister Herr Wilfried Wallbrecht auf uns und war sprachlos, dass man eine so lange Strecke auf die Minute genau nach geplante Zeitvorgabe beenden kann. Tja, das sind die Meisterwerke unseres Karl-Heinz! 
Auch Herr Martin Turetschek von der KSK Esslingen waren gekommen, um miterleben zu dürfen, wie großartig ihre Sponsorengelder bei uns angelegt sind und die Freude aller war eine schöne Rendite für das Geldhaus.

Um das Glück abzurunden spendierte die Sektkellerei Kessler spritzigen Schampus flankiert von leckeren Amuse-gueule.

Lange standen Kommunalpolitik, Sponsoring und die Euro-Tandem-Tour 2016 an den vor dem Rathaus aufgebauten Tischen und freuten sich über den Erfolg dieses Unterfangens im Namen von Aktion Mensch und unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments. Neugierige Passanten blieben stehen, Journalisten bastelten schon an ihren Texten und die letzten Fotos wurden gemacht.

Die Sonne schien immer noch. Für diejenigen, die das nicht mehr sehen konnten, schien sie direkt ins Herz.

Am Abend fand dann das Galadiner in Esslingen statt. Endlich konnte man auch diejenigen kennenlernen, die im Vorfeld der Tour Horst Hunderte von Telefonnummern gewählt und ebenso viele E-Mails vorgelesen hatten. Danke Birgit und Charles!

Ein großes Dankeschön gehört Hella. An der Seite von Horst hat sie über viele Monate hinweg miterlebt, wie viel Arbeit und Schweiß in einer solchen Tour steckt. Sie fand in dieser Zeit oft die Lösung des Problems und war auch stark genug, den Kerl ab zu von der Tour loszueisen und auf einen Entspannungstrip zu schicken!

Den Dankesworten folgten viele. Wir Teilnehmenden wissen, welch großartiger Einsatz von jedem Einzelnen geleistet wurde. Wir sind zusammengewachsen und gehen nun wieder in unseren Alltag zurück. Wir gehen aber mit der Gewissheit zurück, dass wir uns an einem noch zu bestimmenden Ort zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt wieder gemeinsam aufs Rad setzen und weitermachen wollen in unserem Kampf Sehbehinderten und Blinden in unserer Gesellschaft dabei zu helfen, Zugang zu Sport und Gemeinschaft zu finden.